Social-Media-Trends, die dieses Jahr tatsächlich eingetreten sind.

Schöne Social-Media-Trends, klar, aber ich habe davon noch nichts zurückgesehen. Zu oft sehen wir leere Trends vorbeikommen. Versprechen von goldenen Bergen, die wir dann doch nie sehen. Die neueste Social-Media-App Clubhouse ist hierfür ein gutes Beispiel. Überall wurde darüber gesprochen oder geschrieben, und der Hype war enorm. Trotzdem hören wir jetzt, ein Jahr später, überhaupt nichts mehr über die einst so vielversprechende App. Aber welche Trends erfüllen die Erwartungen tatsächlich?

Social-Media-Trends von Hootsuite

Die Social-Media-Trends, die wir in diesem Artikel behandeln, stammen aus dem Bericht „Hootsuite Social Trends 2022“. Jedes Jahr veröffentlicht Hootsuite einen Social-Media-Trendbericht mit den fünf größten Trends. Dieser Bericht wird auf Basis der Meinung verschiedener Spezialisten erstellt. Laut Hootsuite sind die Social-Trends von 2022 die folgenden:

Der „Brand Strategy“-Trend

Die Aufmerksamkeit der Verbraucher verschiebt sich schon eine Weile von großen Influencern hin zu kleinen Nischengruppen, die besser zu ihren Interessen passen. Die Erwartung ist, dass Marken mehr mit diesen kleineren Influencern zusammenarbeiten werden, die eine Nischen-Community aufgebaut haben.

Der „Social Advertising“-Trend

Marketer werden mehr Geld für Werbung auf Social Media ausgeben. Die Herausforderung dabei ist, dass eine andere Art der Werbung gewünscht ist. Mit einer Anzeige auf Social Media unterbrichst du das Scroll-Erlebnis des Verbrauchers.

Der „Return on Investment“-Trend

Social Media wächst über die Marketingabteilung hinaus. Das Vertrauen der Marketer in die Messung des ROI von Social Media ist im Vergleich zu den Vorjahren enorm gewachsen. Es werden auch immer mehr Wege gefunden, Social Media für andere Zwecke einzusetzen. Die Erwartung ist, dass Social Media eine größere Rolle in der gesamten Organisation spielen wird und nicht mehr nur innerhalb der Marketingabteilung. 

Der „Social Commerce“-Trend

Online-Shopping verändert sich. Wo alles mit Webshops begann, ging es schnell weiter zu Apps, und heutzutage können wir auch schon auf Social Media einkaufen. Die Erwartung ist, dass Einkaufen über Social Media zum neuen Standard wird.  

Der „Customer Care“-Trend

Durch den Personalmangel überall auf der Welt haben viele Unternehmen mit längeren Lieferzeiten zu tun. Diese Entwicklung sorgt garantiert für mehr unzufriedene Kunden. Gleichzeitig wird immer mehr Social Media genutzt, um Beschwerden weiterzugeben. Für den Social-Marketer die perfekte Herausforderung, das Unternehmen durch den Beschwerdestrom zu ziehen.

Auf den ersten Blick sind das Trends, hinter denen ich stehe. Aber jetzt, wo wir mittlerweile schon sieben Monate weiter sind, zeigt sich doch, dass nicht alle Trends aus diesem Bericht die Erwartungen erfüllen. Wir gehen sie gemeinsam einzeln durch.

Der „Brand Strategy“-Trend

Während der Pandemie entstanden immer mehr Online-„Communities“. Diese bestimmten Gruppen bestehen aus Menschen, die dieselben Interessen haben. Du kannst dir vorstellen, dass das eine tolle Chance für Unternehmer ist. Finde eine Gruppe voller potenzieller Kunden und leg los. Die Frage ist nur, wie du in diese Gruppen hineinkommst. Laut den Trendbeobachtern von Hootsuite sollte das über die Creator innerhalb der Gruppe geschehen.

Hatten sie recht? Ja. Immer mehr Unternehmen investieren in Zusammenarbeiten mit sogenannten Creatorn. So siehst du zum Beispiel große Marken Millionen ausgeben, um in einem kurzen TikTok vorzukommen. Oder kleinere Unternehmen, die eine Zusammenarbeit mit einem kleinen Influencer eingehen, der Kuchen backt, um zum Beispiel ihren neuen Kuchenheber zu bewerben. Der Vorteil dieser Zusammenarbeiten ist, dass du sicher weißt, dass du eine bestimmte Reichweite erzeugst. Die Gruppen rund um diese Creator oder Influencer sind oft sehr loyal und sehen sich so gut wie den gesamten Content an, den die betreffende Person nach außen bringt.

Wie wird das in Zukunft aussehen? Die wichtigste Frage, die wir beantworten müssen, um herauszufinden, ob dieser Trend in naher Zukunft anhält, ist: „Ist es für kleinere Creator möglich, damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen?“ Die Welt rund um Influencer ist noch recht neu, und die Möglichkeiten, Geld zu verdienen, sind noch recht begrenzt. Aktuell kommt das ganze Geld über bezahlte Zusammenarbeiten herein. Was passiert also, wenn Unternehmen weniger Geld für diese Art der Werbung übrig haben? Bleiben die kleineren Influencer dann noch bestehen? Spannend, das im Auge zu behalten.

Der „Social Advertising“-Trend

Wir als Verbraucher bemerken immer besser, wenn ein Unternehmen versucht, Werbung durch unseren Content zu schleusen. Wir scrollen gemütlich durch Instagram und plötzlich siehst du eine völlig plumpe Anzeige. Das verdirbt dein Erlebnis und sorgt dafür, dass du so schnell wie möglich an der Anzeige vorbeiscrollst. Das ist auch für den Werbetreibenden nicht ideal. Das sorgt dafür, dass Marketer immer kreativer werden müssen, damit die Anzeige zum Content passt, den der Verbraucher erwartet. Aber wie gelingt ihnen das?

Kanäle wie Instagram und TikTok sorgen dafür, dass es Unternehmen weniger Geld kostet, effektiv zu werben, und Marketer machen davon eifrig Gebrauch. Die Kosten für das Platzieren einer Anzeige sind nicht gesunken, aber der gewünschte Content ist deutlich einfacher zu erstellen. Indem man zum Beispiel auf einen relevanten TikTok-Trend aufspringt, in den man sein Produkt geschickt einbaut, kommt man als Werbetreibender schon ziemlich weit. Es fühlt sich wie organischer Content an, und Verbraucher werden hier weniger schnell vorbeiscrollen. Trotzdem gibt es noch genug Unternehmen, die es noch nicht ganz raushaben und auf die alte Art weitermachen. Wird sich das in Zukunft noch ändern?

Die Wahrscheinlichkeit, dass Werbebudgets weiter knapper werden, ist recht groß. Deshalb ist es für Unternehmen ungeheuer wichtig, mehr Kreativität in die Anzeigen zu stecken. TikTok und Instagram versuchen dir dabei zu helfen, indem sie es einfacher machen, auf bestimmte Trends aufzuspringen, die gerade im Gange sind. Eines der Probleme, denen wir durchaus begegnen können, ist, dass es schwieriger wird, sich als Unternehmen abzuheben. Wenn alle auf die neue Art der Werbung auf Social Media setzen, wird wenig Raum bleiben, um einzigartig zu bleiben. Eine schöne Herausforderung für den kreativen Marketer.

P.S. Vergessen wir nicht, dass es weiterhin verpflichtend bleibt, in deinem Content anzugeben, wenn es sich um einen gesponserten Deal handelt.

Der „Return on Investment“-Trend

Social Media hat in den letzten Jahren ein gigantisches Wachstum innerhalb der Unternehmenskultur durchgemacht. Wo alles als eine Aufgabe begann, die kurz von der Telefonistin übernommen wurde, wurde es schnell zu einer Aufgabe für die Marketingabteilung. Heutzutage haben viele größere Unternehmen eigene Social-Marketer und Content-Marketer, die speziell für die Social-Media-Accounts zuständig sind. Und der Glaube ist, dass sich das nur noch weiter ausbreiten wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Social Media eingesetzt wird, um dem gesamten Unternehmen bei ganz unterschiedlichen Zielen zu helfen. Zumindest ist das die Erwartung. Wie sieht das bisher aus?

Die Idee, dass Social Media kurzfristig breiter eingesetzt wird, kommt vor allem von Marketern, die täglich mit Social Media zu tun haben. Diese Marketer sehen die wertvollen Informationen, die aus der täglichen Interaktion entstehen, und sehen also auch den Effekt, den das auf die gesamte Organisation haben kann. Aber wir sehen es noch nicht wirklich passieren. Geschäftsführungen und andere Abteilungen sind von der Idee, dass Social Media für sie wichtige Erkenntnisse liefern kann, noch nicht überzeugt. Kurzfristig ist das ein Trend, bei dem nicht viel Fortschritt stattfinden wird, aber langfristig ist das vielleicht anders.

Eine spannende Frage für die kommende Zeit ist, welche Abteilungen konkret etwas mit Social Media anfangen können. Die Herausforderung für Marketer besteht hier darin, die anderen Abteilungen zu überzeugen, indem sie konkrete Erkenntnisse liefern. Was kann Social Media bedeuten? Und wie bringen wir das in Erfahrung?

Der „Social Commerce“-Trend

Während der Pandemie gab es einen großen Hype rund um das Ende des physischen Ladens. Regelmäßig kam etwas vorbei über die Gefahr des Online-Shoppings und wie das den physischen Laden überflüssig machen würde. Jetzt, wo wir endlich aus der Pandemie raus sind (toi, toi, toi), zeigt sich das Gegenteil. Verbraucher sind gerade froh, dass sie wieder in die physischen Läden gehen dürfen. Das Online-Shopping hat schon für ein paar schöne Entwicklungen gesorgt. Darunter Social Commerce, also Einkaufen über Social Media. Wie steht es jetzt um Social Commerce?

Wir sind noch nicht so weit wie erwartet. Die Erwartung war, dass Social Commerce die größte neue Entwicklung innerhalb des Online-Shoppings sein würde. Aber was wir in der Praxis sehen, ist, dass das noch nicht der Fall ist. Aktuell wird Social Media beim Shoppen zwar sicher genutzt, aber eher zum Orientieren und als Suchmaschine. Social Commerce wird also durchaus genutzt, ist aber noch nicht dort, wo wir es erwartet hatten. Wird das in Zukunft noch passieren?

Wir sehen, dass Social Media aktuell öfter genutzt wird, um Marken zu entdecken, als die reguläre Art der Suche über Google. Das ist vor allem bei jüngeren Menschen der Fall. Außerdem sehen wir, dass verschiedene Social-Media-Kanäle fleißig verschiedene Updates ausrollen, die auf Social Commerce ausgerichtet sind. So hat TikTok vor einiger Zeit die Live-Shopping-Funktion eingeführt, bei der Menschen aus einem Livestream heraus, in dem ein bestimmtes Produkt gezeigt wird, direkt zum Kauf übergehen können. Das größte Problem, dem Verbraucher jetzt noch begegnen, ist der Mangel an Vertrauen im Kaufprozess. Und das sorgt teilweise dafür, dass Social Commerce noch nicht so groß ist, wie es hätte sein können.

Der „Customer Care“-Trend

Wir werden eigentlich alle davon beeinflusst: der Personalmangel und die Probleme mit den Lieferzeiten. Produkte, die vor zwei Jahren noch am nächsten Tag auf deiner Fußmatte lagen, brauchen heutzutage länger. Die Vorhersage war, dass das zu einer deutlichen Zunahme von Beschwerden und Fragen für den Kundenservice führt. Das geht einher mit dem Bedarf an Kundenservice über Social Media. Eine ideale Chance für den Social-Marketer, sich abzuheben und dem Unternehmen ordentlich zu helfen, würde man sagen. Aber ist das auch tatsächlich passiert?

Was sicher passiert ist, ist die Zunahme von Beschwerden und Fragen. Was in geringerem Maße passiert, ist, dass diese Beschwerden über Social Media eingehen. Viele Menschen gehen noch auf die Website, um dort über das Kontaktformular oder die Telefonnummer ihre Beschwerde loszuwerden. Bei den jüngeren Menschen sehen wir durchaus eine Zunahme der Anzahl von Beschwerden, die über Social Media eingehen. Die Hürde ist für diese Generation natürlich auch deutlich niedriger, wenn es über Social Media geht. Wie wir alle wissen, gibt es bei den jüngsten Generationen eine gewisse Ungeduld. Das sorgt dafür, dass die Beschwerden sich also zu Social Media verschieben. Gleichzeitig sorgt das dafür, dass der Social-Marketer die Beschwerden lösen muss, weil nicht immer jeder Zugriff auf den Account hat. Ich erwarte, dass wir in Zukunft viel mehr mit Beschwerden und Fragen über Social Media zu tun bekommen. Aber wie sieht das bei den Experten aus?

Die Experten von Hootsuite denken, dass der Social-Media-Manager ein umfangreicheres Aufgabenpaket bekommt. Das sorgt auch direkt dafür, dass der Social-Media-Manager mehr Mitspracherecht innerhalb des Unternehmens bekommt. Wer mehr Verantwortung übernimmt, hat auch mehr zu sagen. Außerdem wird kontinuierlich an der Verbesserung automatisierter Chats gearbeitet. Das sorgt dafür, dass mehr Chatbots auf den Markt kommen und der Preis also auch sinkt. Deshalb ist die Erwartung, dass mehr Unternehmen automatisierte Chatbots nutzen werden, um häufig vorkommende Beschwerden zu lösen. Auch hier wieder interessant, diese Entwicklungen im Auge zu behalten.

Echte Social-Media-Trends

So siehst du also, dass nicht alle Trendberichte Unsinn sind. Wenn du genug Mühe in das Sammeln relevanter Informationen von relevanten Menschen steckst, wird es einfacher, spezifische Social-Media-Trends festzustellen. So gab es bei diesem Bericht über 18.000 Befragte, mehr als 15 Experteninterviews und es wurde mit Daten aus mehr als 200 Ländern gearbeitet. Und das sorgt für zuverlässige Trends. Aber auch wenn du dafür sorgst, dass du alle Daten hast, die du brauchen könntest, kannst du trotzdem noch nicht die Zukunft vorhersagen. Oder sollen wir es doch mal versuchen? Welche Social-Media-Trends siehst du für die Zukunft voraus?